VERGLEICHE
CC oder Security+? Der Gratis-Einstieg und der Arbeitsmarkt-Klassiker
Beide sind Einsteiger-Zertifikate ohne Zulassungshürde, beide decken die Grundlagen der Cybersicherheit ab, und trotzdem stehen sie für verschiedene Strategien: das eine als niedrigschwelliger, zeitweise kostenloser Start, das andere als etablierter Nachweis mit Gewicht im Arbeitsmarkt. Der Vergleich mit den Zahlen und der gegenläufigen Kostenlogik.
Von Daniel Thomas HeesselStand: 30. Juli 20266 Min. Lesezeit
"CC oder Security+" ist die Einstiegsfrage schlechthin für alle, die zum ersten Mal ein Cybersicherheits-Zertifikat erwerben wollen. Die ehrliche Antwort: Die beiden prüfen ähnliche Grundlagen, verfolgen aber verschiedene Strategien. Das eine öffnet möglichst vielen Menschen die Tür, das andere hat sich über Jahre als Standard-Nachweis in Stellenanzeigen etabliert.
Anders als bei den Vergleichen weiter oben in der Karriereleiter geht es hier nicht um Rollenprofile, sondern um den Startpunkt: Beide Zertifikate sind bewusst ohne Zulassungshürde gebaut und adressieren die Einstiegsphase, wenn auch an verschiedenen Punkten. Der Unterschied liegt im Modell dahinter und in dem, was der Markt daraus gemacht hat.
Wofür die beiden stehen
Das CC (ISC2 Certified in Cybersecurity) ist das Einstiegszertifikat von ISC2, dem Traeger des CISSP. Es richtet sich ausdrücklich an Berufseinsteiger, Quereinsteiger und Studierende, verlangt keinerlei Berufserfahrung und deckt fünf Grundlagen-Domänen ab, von Security Principles über Access Control bis zu Sicherheitsoperationen. Besonderheit: Im Rahmen der Initiative "One Million Certified in Cybersecurity" bietet ISC2 Training und Prüfung zeitweise kostenlos an, was die Verbreitung stark erhöht hat.
Der Security+ von CompTIA gilt als einer der verbreitetsten Einsteiger-Nachweise der Cybersicherheit weltweit. Er ist herstellerneutral, im US-Behördenumfeld über DoD 8140 verankert und taucht auch in deutschen Stellenanzeigen als Grundlagen-Anforderung auf. Die aktuelle Version SY0-701 prüft neben Wissensfragen auch Performance-based Questions, die praktisches Denken verlangen.
Die Zahlen im direkten Vergleich
| Anbieter | ISC2 | CompTIA |
|---|---|---|
| Erwerbskosten (Prüfung, EUR) | 0 € | 372 € |
| Gesamtkosten über 5 Jahre (EUR)i | 6.230 € | 744 € |
| Voraussetzungen | Keine. Einstiegszertifizierung ohne Berufserfahrung. | Keine formalen Voraussetzungen. Empfohlen: 2 Jahre IT-Erfahrung mit Security-Fokus + Network+. |
| Prüfungsformat | 100 Multiple-Choice-Fragen, 2 Stunden, Proctored via Pearson VUE. | Max. 90 Fragen (Multiple-Choice + Performance-based), 90 Minuten, Proctored via Pearson VUE. Bestehensgrenze: 750/900. |
| Gültigkeit | 3 Jahre | 3 Jahre |
| CPE-Aufwand | 15 Std./Jahr | 0 |
| CertMap-ScoreZur Bewertungsmethodik → | 4 / 12Marktstärke 3/6 Substanz1/6 | 7 / 12Marktstärke 5/6 Substanz2/6 |
Werte live aus der CertMap-Kostenmethodik (USD-Gebühren in EUR umgerechnet, Gesamtkosten inkl. Jahresgebühren, Rezertifizierung und CPE-Wertzeit). Gleiche Datenbasis wie das Vergleichs-Tool.
NICE-Rollen-Abdeckung
14 Work Roles gegen das NICE Framework gemappt. Schnittmenge: 6.

CC
4 nur hier
In beiden
6 gemeinsam

Security+
4 nur hier
Gemeinsame Rollen (6)
Bewertung von Sicherheitsmaßnahmen
NICE-Rolle: Security Control Assessment.Typische Job-Titel: Security Auditor, IT-Auditor, Sicherheitsauditor, Control Assessor, ISO 27001 Auditor, Compliance-Auditor
Datenbankadministration
NICE-Rolle: Database Administration.Typische Job-Titel: Datenbankadministrator, Database Administrator, DBA
Netzwerkbetrieb
NICE-Rolle: Network Operations.Typische Job-Titel: Netzwerkadministrator, Network Engineer, Netzwerktechniker, NOC-Analyst, Netzwerkbetrieb
Software-Sicherheitsbewertung
NICE-Rolle: Software Security Assessment.Typische Job-Titel: Software Security Tester, Software-Sicherheitsanalyst, Secure Code Reviewer
Systemsicherheits-Management
NICE-Rolle: Systems Security Management.Typische Job-Titel: Informationssicherheitsbeauftragter, ISB, IT-Sicherheitsbeauftragter, Information Security Officer, Security Manager, ISSM
Wissensmanagement
NICE-Rolle: Knowledge Management.Typische Job-Titel: Wissensmanager, Knowledge Manager
Graue Kaestchen sind in beiden enthalten. Jede Box = 1 Work-Rolle, Mouseover zeigt den Namen.
Quelle: kuratierte CertMap-Zuordnung gegen NICE Framework (NIST SP 800-181). Fuer beide Zertifizierungen einheitlich, da nicht alle im C3-Crosswalk gefuehrt werden.
Zwei Muster fallen in der Tabelle auf, die man beim reinen Prüfungsgebühren-Vergleich übersieht:
- Kostenlos ist nicht dasselbe wie umsonst. Beim CC ist die Prüfung für Erstabsolventen zeitweise kostenlos, das Zertifikat wird aber erst mit der ersten Jahresgebühr ausgestellt, und Gebühr wie Weiterbildungsnachweise fallen jährlich an; immerhin deckt die Jahresgebühr alle ISC2-Zertifizierungen einer Person gemeinsam ab. Security+ kostet vorn spürbar Geld und arbeitet im Drei-Jahres-Zyklus: Weiterbildungspunkte über den Zyklus sammeln (auch dieser Weg ist bei CompTIA gebührenpflichtig), ein höheres CompTIA-Zertifikat anrechnen (Stacking) oder neu prüfen. Wie CertMap solche Laufzeitkosten rechnet, steht in der Kostenmethodik.
- Marktgewicht ist das eigentliche Entscheidungskriterium. Security+ ist seit Jahren etabliert und wird in Ausschreibungen explizit verlangt, gerade im behördennahen Umfeld. Das CC ist deutlich jünger und hat seine Verbreitung über die Gratis-Initiative aufgebaut; als alleiniger Kompetenznachweis trägt es im Arbeitsmarkt bislang weniger.
Die Rollen-Abbildung darunter bestätigt, dass es hier nicht um verschiedene Berufe geht: Die Schnittmenge der abgedeckten NICE-Rollen ist groß, beide zielen auf dieselbe Einsteiger-Breite. Die Entscheidung fällt über Modell und Marktgewicht, nicht über den Zuschnitt.
Der eine öffnet die Tür, der andere trägt den Lebenslauf. Das CC ist der niedrigschwellige Start ins ISC2-Ökosystem, Security+ der Klassiker, der in Anforderungsprofilen steht.
Voraussetzungen: keine Hürden, aber verschiedene Empfehlungen
Formal sind beide offen, praktisch adressieren sie verschiedene Ausgangslagen:
- CC: Keine Voraussetzungen, ausdrücklich als erster Schritt ohne Berufserfahrung konzipiert. Wer noch studiert oder quereinsteigt, kann direkt antreten.
- Security+: Ebenfalls keine formalen Voraussetzungen, aber CompTIA empfiehlt rund zwei Jahre IT-Erfahrung mit Security-Bezug plus Kenntnisse auf Network+-Niveau. Die Prüfung setzt spürbar mehr Praxisverständnis voraus als das CC.
Praktisch heißt das: Das CC holt Menschen vor dem ersten Job ab, Security+ passt oft besser nach den ersten ein bis zwei Jahren in der IT.
Die Prüfungen
Das CC prüft 100 Multiple-Choice-Fragen in zwei Stunden, beaufsichtigt über Pearson VUE. Security+ stellt maximal 90 Fragen in 90 Minuten, darunter Performance-based Questions mit simulierten Praxisaufgaben, Bestehensgrenze 750 von 900 Punkten. Beide Prüfungen sind auch auf Deutsch verfügbar, was sie im Einsteiger-Segment von vielen Spezialisierungen unterscheidet. Zu beachten sind die Versionszyklen: Für das CC hat ISC2 eine neue Exam Outline ab September 2026 angekündigt, und die Security+-Version SY0-701 soll nach CompTIA-Rhythmus voraussichtlich 2026/2027 abgelöst werden.
Unsere Einordnung
Was unsere Bewertung sagt: In der CertMap-Bewertung liegt Security+ klar vor dem CC, und der Abstand entsteht fast vollständig über die Marktanerkennung: Security+ ist der etablierte, in Ausschreibungen und im US-Behördenumfeld verankerte Nachweis, während das CC als junges Programm erst Marktgewicht aufbaut. Bei der inhaltlichen Substanz liegen beide auf dem für Einsteiger-Zertifikate typischen, bewusst breiten Niveau; keines von beiden belegt tiefe Praxiskompetenz. Wie die Bewertungsachsen zustande kommen, steht in der Bewertungsmethodik.
Die Entscheidung wird einfacher, wenn man sie vom eigenen Ziel her denkt:
- Wer risikoarm herausfinden will, ob Cybersicherheit der richtige Weg ist, oder wer den ISC2-Weg Richtung SSCP und CISSP plant, startet sinnvoll mit dem CC: niedrige Hürde, zeitweise kostenlos, direkter Anschluss ans ISC2-Ökosystem.
- Wer den Einstieg im Lebenslauf belegen muss, etwa für Bewerbungen auf Junior-Stellen oder im behördennahen Umfeld, ist mit Security+ besser bedient: Er ist der Nachweis, der in Anforderungsprofilen deutlich häufiger steht.
- Die beiden schließen sich nicht aus: Ein verbreitetes Muster ist das CC als schneller erster Schritt und Security+ als nächster Ausbau, sobald etwas Praxis dazukommt. Wer beide hält, sollte die laufenden Pflichten im Blick behalten, denn die Erneuerungsmodelle sind komplett verschieden.
Häufige Fragen
Ist das CC wirklich kostenlos?
Die Prüfung ist für Erstabsolventen im Rahmen der ISC2-Initiative "One Million Certified in Cybersecurity" zeitweise kostenlos. Das Zertifikat selbst wird aber erst mit der ersten Jahresgebühr ausgestellt, und ab dann laufen Gebühr und Weiterbildungsnachweise jährlich. Kostenlos ist die Prüfung, nicht der Unterhalt.
Reicht Security+ ohne Vorerfahrung?
Formal ja, es gibt keine Zulassungsvoraussetzungen. CompTIA empfiehlt allerdings rund zwei Jahre IT-Erfahrung mit Security-Bezug plus Netzwerk-Grundlagen, und die Performance-based Questions setzen praktisches Verständnis voraus. Wer bei null startet, fährt mit dem CC als erstem Schritt oft besser.
Gibt es die Prüfungen auf Deutsch?
Ja, beide. Das CC wird in mehreren Sprachen einschließlich Deutsch angeboten, Security+ ebenfalls. Im Einsteiger-Segment ist das ein echter Vorteil gegenüber vielen Spezialisierungen, die nur auf Englisch geprüft werden.
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